Ich war in einem Frauenmeditationskurs. Und die Übung war denkbar simpel:
Halt deine Brüste. Einfach so. Ohne Absicht. Ohne Bild im Kopf. Ohne Ziel.
Ich habe gelacht. Innerlich. Weil ich nicht wusste was ich damit anfangen soll.
Und dann ist mir aufgegangen warum.
Wir haben zwei Schubladen für unsere Brüste
Die erste Schublade: Sender einstellen. Zwei Mal am Nippel drehen, und ab geht die wilde Fahrt. Das Bild dazu kommt direkt aus dem Kopf – aus Filmen, aus Pornos, aus der Kameraperspektive die wir beim Sex automatisch anschmeißen. Wir liegen nicht im Moment. Wir schauen uns selbst dabei zu wie wir aussehen sollten.
Die zweite Schublade: Milchschläuche. Nahrungsgeber. Funktional. Für die Kinder da, danach irgendwie nicht mehr ganz unsere.
Das war's. Mehr haben die meisten von uns nicht im Kopf.
Und ich sage das ohne Vorwurf – ich war genauso. Ich kenne die Kameraperspektive aus dem Effeff. Diese innere Kamera die immer mitläuft und flüstert: sieht das gut aus? Bin ich richtig? Mach ich das richtig?
Was passiert wenn du einfach nur hältst
Zurück zum Meditationskurs. Ich halte also meine Brüste. Keine Absicht. Kein Ziel.
Und dann kommt die Anweisung: atme. Verbinde dich über die Atmung mit deinem Herz. Spür was darunter liegt.
Was darunter liegt – das hat mich überrascht.
Raum. Plötzlich so viel Raum in der Brust. Und Wärme. Und etwas das sich anfühlt wie Liebe – nicht die romantische, nicht die performte, sondern die stille Art. Die die einfach da ist.
Meine Brüste waren auf einmal nicht mehr Sender oder Milchschläuche. Sie waren Teil von mir. Verbunden mit meinem Herz. Lebendig.
Das ist absichtslose Berührung.
Was das mit dir macht
Absichtslose Berührung bedeutet: du berührst dich ohne etwas erreichen zu wollen. Keine Erregung produzieren. Nicht gut aussehen. Nicht funktionieren.
Einfach da sein. Spüren. Präsent sein in deinem eigenen Körper.
Das klingt klein. Es ist es nicht.
Weil die meisten von uns so selten wirklich in ihrem Körper sind. Wir bewohnen ihn kaum – wir benutzen ihn. Für Leistung, für Funktion, für den Blick von außen.
Absichtslose Berührung ist eine Einladung zurück. In dich. Ohne Kamera. Ohne Ziel.
Leg eine Hand auf deine Brust. Nicht um etwas zu tun. Nur um zu spüren.
Atme. Fühl wie viel Raum dein Herz hat. Wie viel Wärme dort schon ist – auch wenn du sie gerade nicht spürst.
Das ist der Anfang.